Willkommen auf der Website des Projekts Theater- und Kinotopografie Wien des Büros für Theaterforschung artminutes.

2002 wurde vom Wiener Büro für Theaterforschung artminutes (gegr. 2001) das Projekt Wiener Theatertopografie begonnen, in dessen Zentrum die systematische Erfassung der Wiener Theaterstandorte seit dem 18. Jahrhunderts (inkl. der Wiener Vorstadtbühnen), sowie deren aktuelle Position(ierung) und Wahrnehmung in der Stadt Wien steht.

Ziel der Projekts ist die Erstellung einer historisch wie aktuell relevanten topografischen "Landkarte" der seit dem 18. Jahrhundert in der Stadt Wien gegründeten nachhaltig wie oft nur für kurze Zeit bespielten Theaterräume, wobei auch auf Singspielhallen, Varietés, Kabaretts und anderes mehr Bezug genommen wird. [1]

Im Zuge der Recherchen wurde das Projekt 2004 um das Teilprojekt Wiener Kino- und Theatertopografie, kurz: KinTheTop, erweitert, das sich dem Zusammenhang und -spiel von Kino- und Theaterstandorten in Wien befasst. Dabei wurde u. a. mit einer umfassenden Dokumentation der Wiener Kinostandorte seit der Jahrhundertwende begonnen, die ebenfalls auf dieser Website frei einsichtig ist. [2]

Weitere Teilforschungsprojekte umfassen die fotografische Aufarbeitung der Wiener Kinostandorte (vgl. u. a. die Postkartenserie seit 2009) und die Erarbeitung einer ersten umfassenden Geschichte der "Freien Gruppen" seit den 1970er-Jahren.

2004 ging die Website www.KinTheTop.at als eines der in den letzten Jahren in Angriff genommenen Teilprojekte des groß angelegten Gesamtprojektes online.
KinTheTop.at
bietet derzeit Onlineinformationen zu mehreren Hundert historischen wie aktuellen Theater- und Kinostandorten in der Stadt Wien, darüber hinaus einer Chronik zur Wiener Kinogeschichte und zur Geschichte der nicht institutionellen Theater und Gruppen in Wien sowie eine Bibliografie, hilfreiche Archivverweise und vieles andere mehr.

Die Daten werden laufend ergänzt und nach den je neuen Rechercheergebnissen kontinuierlich vom Projektteam online gestellt.

Ziel ist die Erarbeitung einer digitalen Kartografie der Wiener Theater- und Kinostandorte, die deren historische wie heutige Funktion als wesentliche Faktoren dezentraler Kulturarbeit, ihre urbane, topografische und strukturelle Vernetztheit deutlich machen soll wie auch auf den historischen Übergang und die vielfache Überlappung kultureller Zentren vom 18. Jahrhundert bis heute als mehrschichtige räumliche wie künstlerische Ausprägung urbanen Lebens aufmerksam machen will.

Das Projekt sowie seine einzelnen Teilprojekte wurden seit 2002 kontinuierlich einer breiten wissenschaftlichen wie allgemeinen Öffentlichkeit vorgestellt.

Weitere Einreichungen, u. a. bei der MA 7-Theaterabteilung (2006), beim Jubiläumsfonds von Stadt Wien und Österreichischer Akademie der Wissenschaften (2006) oder IFK (Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften, 2007) sowie KÖR - Kunst im öffentlichen Raum Wien wurden bisher abgewiesen, so dass das Desiderat einer umfassenden digitalen wissenschaftlichen Aufarbeitung und Zurverfügungstellung einer online abrufbaren "virtuellen Theater- und Kinolandkarte" bislang noch nicht erfüllt werden konnte.

Zurzeit finden Sie daher alle Daten noch in einfachen, nach Namen und Adressen geordneten "Listen".
Dabei bietet das Projekt neben einer alphabetischen Listung nach dem letzten Namen des Unternehmens der Wiener Theater-/Kinobetriebe nach Bezirken eine Zeittafel, ein Glossar sowie eine Bibliografie.

Das Projekt KinTheTop sieht sich als eine "work in progress", die täglich online weitergeführt wird. Für Tipps, Anregungen und Ergänzungen ist das Team von artminutes ebenso dankbar wie für Korrekturen und Kritik.

Wir hoffen, dass sich unser Wunsch, eine umfassende historische und aktuelle "Theater- und Kinolandkarte" Wiens als notwendiges wissenschaftliches Fundament im Internet wie im Printformat [3] anbieten zu können, bald erfüllt und freuen uns weiterhin auf so regen Zuspruch und Benutzung der Seiten dieser Website wie in den letzten Jahren.

---

[1] Temporäre Spielorte werden dabei nicht erfasst. Diese stehen im Zentrum des 2010 begonnenen Folgeprojekts Performative Praktiken im Stadtraum Wien (Projektleitung: artminutes/Angela Heide; Projektpartner: red park/Lars Schmid und WOLKE 7).

[2] "Die Wiener schätzten ihr 'Theater ums Eck', zumal die Verkehrsmöglichkeiten noch beschränkt waren, und das Tor zum Konsum noch nicht geöffnet." (Gauss 1994)

Zum Teilprojekt KinTheTop
Zu den spannendsten Phänomenen der Wiener Theatergeschichte gehört die Bespielung ehemaliger kleiner Vorstadtkinos - sog. "Kulturklub-" bzw. "Gätzelkinos" - durch eine Reihe von Ensembles der Wiener Theaterszene. Doch welche Vorgeschichten stecken dahinter, wie sieht der strukturelle, organisatorische, ästhetische und vor allem theater- und kinotopologische Kontext in diesem Zusammenhang aus, was sind die Hintergründe für dieses auffallende Interesse der sog. "freien Szene" für die zahlreichen (ehemaligen) Kinos in Wien und wie kann/darf dieses Phänomene innerhalb der Wiener Theatergeschichte ab Ende des 19. Jahrhunderts theaterhistorisch eingereiht und bewertet werden? Ausgehend von diesen und einer Reihe weiterer Fragestellungen rund um dieses Themenfeld werden im Rahmen des Forschungsprojektes Vom Theater zum Kino und wieder zurück... in einem ersten Schritt aufgrund der vorhandenen Forschungslage die ehemaligen Kinobetriebe in Wien topografisch erfasst, in einem weiteren Schritt werden jene Gruppen und Ensembles, die sich in diesen Kinos in den letzten Jahren fest oder auch nur temporär etabliert haben und hier den Versuch starten, unter anderem "niederschwellige" Kulturarbeit auch für ein Publikum zu bieten, das vielleicht nicht so rasch - und oftmals noch gar nicht - den Weg in die großen und "etablierten" Häuser gefunden hat. Anhand von Interviews mit den TheaterleiterInnen wird in einem weiteren Schritt gefragt, wie die Hintergründe für die Entscheidung, in einem ehemaligen Kino zu spielen, entstanden sind, wie die Aufnahme durch die Stadt Wien war und ist (Subventionen, Ein- und/oder Mehrjahresverträge, Unterstützung bei Umbau und damit Erhalt dieser historisch relevanten Kunst- und Kulturbetriebe etc.). Während das Theater zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die zahlreichen Gründungen der ersten Kinos in Wien eine wesentlich Neubewertungs- und Selbstdefinitionskrise geriet, sieht es so aus, als würde heute in einer Art Umkehrakt aus den ehemaligen Kinobetrieben, vor allem der ehemaligen Vorstädte und innerstädtischen Randzonen, erneut ein spannender und nährreicher Boden für die Entstehung einer neuen, auf unterschiedliche Weise innovativen Theaterlandschaft entstehen, die vor allem durch die Ensembles der "freien" Szene geprägt wird und von dieser aus mannigfaltigen, im Laufe des Projektes zu erfassenden Beweggründen und Ausgangspunkten angenommen und weiterentwickelt wird. Theaterhistorisch lässt sich hier auf der anderen Seite auch eine Tendenz nachweisen, die bereits in der Zwischenkriegszeit (Die Insel in der Komödie, Wiener Kabaretts), vor allem aber nach 1945 mit der Entstehung zahlreicher Kellerbühnen ihren Ausgang nahm und mit der Gründung des Dramatischen Zentrums einen ihrer Höhepunkte fand. Vielleicht, so mag eine andere These folglich lauten, wird mit dieser auch stadttopografisch nachzuweisenden Dezentralisierungstendenz auch ein kulturpolitisch wesentlicher Meilenstein gesetzt, der die Wiener "freie" Szene zu einem wesentlichen "Player" in Zusammenhang mit niederschwelliger, kulturvermittelnder Arbeit macht, der in dieser Form bislang noch nicht genügend wahrgenommen und geschätzt wurde.

[3] Für die kommenden Monate ist u. a. ein erster Forschungsband in Print zu den Arbeitsergebnissen der letzten Jahre geplant.